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Amok

AMOK Storyboard Cover

Credits

 

Directed by Claudius Gentinetta 

Animation: Claudius Gentinetta

Music: Hipp, Oliver, Motte, Star ★ track studio            

www.aeronauten.ch

Sound design: Ramón, Simon, Klaus, 

www.ganzerplatz.ch

 

Distribution/rights/sales

gentinettafilm © 1997

 

Techniques

2D animation

 

Screening version

35mm; 7min.; 1:1,37; without dialogue

 

Financially supported by

Federal Office of Culture (DHA), Switzerland,

Canton of Lucerne, Switzerland

Migros-Kulturprozent

 

Festivals

(selection)

 

Zilina, 7th Fest Anca International Animation Festival
18.06.2014 - 22.06.2014

 

Genève, 10e Cinéma tout écran - Festival international du film et de la télévision
29.10.2004 - 07.11.2004

 

Leipzig, 42. Internationales Leipziger Festival
26.10.1999 - 31.10.1999

 

Genève, Geneva International Film Festival GIFF
21.09.1998 - 27.09.1998

 

Baden, Fantoche, Festival für Animationsfilm
09.09.1997 - 14.09.1997

 

Montecatini, Mostra Int. del cortometraggio Montecatini
05.07.1997 - 12.07.1997

 

Internationale Grenzland-Filmtage Selb
03.04.1997 - 06.04.1997

 

Solothurn, Solothurner Filmtage
21.01.1997 - 26.01.1997

Synopsis

 

Ein Mann wirft in einem Amoklauf sein ganzes Hab und Gut über seinen Balkon auf die Strasse und schlägt so seine Peiniger in die Flucht. Für kurze Zeit bringt er etwas Ruhe in sein Leben, bis ihn eine Fliege erneut aus der Fassung bringt.

 

A man is bombarding his environment by throwing everything he owns out of his balcony. The peace is lasting only for a short time, until a fly starts to trouble him again.

 

Über Amok

 

Über den belebten Platz einer düsteren Grossstadt erhebt sich bedrohlich schief ein Gebäude, das nicht mehr ist als blosse Fassade. Der dürre Protagonist der Handlung tritt durch die geöffnete Balkontür in unser Blickfeld. Sein Gesicht wird in grotesken Zügen in die Trophäen bildwütiger Touristen gebannt. Die Sicht der dokumentierenden Fotokameras deckt sich dabei mit dem gespiegelten Blick des Protagonisten und unserem eigenen voyeuristischen Blick als Zuschauer. Unerhört werden die grässlichen Schreie auf dem Balkon vom tosenden Arbeitslärm der Stadt verschluckt. Bereits in seinen früheren Filmen hat sich Gentinetta der Sprache als symbolischem Ausdruckmittel vollständig entledigt.

In Amok nun scheint sich der Protagonist selbst von der Bilderflut und dem unerträglichen Lärm seiner Umwelt befreien zu wollen. Indem er alle weltlichen Alltags-gegenstände fortschmeisst – und damit allmählich

den Lärm erwürgt – begibt er sich auf die Suche nach seinem Innern.

Erst nachdem er alle zweckgebundenen oder erinnerungsbehafteten Objekte herauskatapultiert hat, wird Atem und Pulsschlag hörbar. Gleichzeitig versagen die Grenzen zwischen dem Aussen und dem Innen, zwischen der Behausung und dem Körper. Die Wendung nach innen lässt das vormals fassadenhafte Gebäude in einen abgrundtiefen Gang implodieren, dessen Ausgang sich ins Unendliche entzieht. Doch wer

meint, sich durch das Abwenden von der Aussenwelt selbst zu finden, irrt: in dem eben eröffneten Innenraum trällert ein Plattenspieler seine abgedroschene Weise.

 

About Amok

 

Just a normal day in a normal city. The camera turns around a threatening obliquely  standing tower which seems to consist out of nothing more than the front wall. On the  sole balcony appears a skinny desperate looking man. The painful expressions of his face are being catched by the multiple cameras of bypassing tourists, whereby the gaze of the documenting cameras collapses with the gaze of the spectators and the protagonists own reflected image. The roaring noise of the city swallows the desperate cries. No words provide symbolic messages, worse, the protagonist even tries to get rid of all the pictures, all the noise surrounding him. He starts to throw out of the balcony everything useful, everything reminding him at his history. Bombarding the environment to calm it down.

Only after the violent loss of everything that seems to connect him with the outer world appears the sound of his breath, of his heartbeat. At this time the borders between inner and outer world between the house and the body seem to collapse. The space which has been nothing more than a wall implodes into a long corridor, whose exit disappears into the infinite. But far from revealing an inner truth, the end of the film gives view to a record player – there is no escape to theatricality, life is never more than a stageplay.

 

Comments

 

Zerstörung als Befreiung

"Der heutige Kurzfilm zeigt einen ungewöhnlichen Amoklauf. Sterben müssen ein paar Fische, eine Fliege, weitere Opfer sind unbekannt.

Der Protagonist des Kurzfilms «Amok» veranstaltet keine Bluttat, wie es Amokläufer üblicherweise tun. Seiner Handlung folgt keine Schreckensnachricht, wie sie uns gewöhnlich von den Medien erreicht.

Hier wird ein Schockzustand gezeigt, dessen Ursprung anderer Natur ist.

Auslöser ist die laute Welt, das Geplapper der Grossstadt. Der Lärm wird unerträglich. Das Pochen im Kopf des Protagonisten wird immer stärker.

Er läuft Amok, wirft alle seine Habseligkeiten vom Balkon, unter anderem auch sein Aquarium. Fische fallen fliegend vom Himmel. Es scheint, als sei er auch der materiellen Welt überdrüssig geworden, seine Handlung wirkt wie ein Befreiungsschlag. Nach diesem Kraftakt steht die Frage im Raum,

ob das Sich-Losreissen vom Materiellen tatsächlich die ersehnte innere Ruhe bringt".

 

yaz

Publiziert: 02.10.2015,

Tages Anzeiger

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